Lösungsorientierte Fragen in der Therapie: Beispiele für die Praxis
Lösungsorientierte Fragen lenken den Blick vom Problem auf Ziele und Ressourcen. Wunderfrage, Skalen- und Ausnahmefragen helfen, ein konkretes Zielbild zu entwickeln und es in kleine, überprüfbare Schritte zu zerlegen — ohne das Problem erst vollständig zu analysieren.
Vom Problem zur Lösung — die Grundidee
Der lösungsorientierte (lösungsfokussierte) Ansatz nach Steve de Shazer und Insoo Kim Berg verlagert den Fokus: weg von der Frage, warum ein Problem entstanden ist, hin zu der Frage, woran die Person merken würde, dass es besser wird — und was davon vielleicht schon ansatzweise gelingt. Die Grundannahme lautet: Man muss ein Problem nicht vollständig verstehen, um eine Veränderung in Gang zu bringen. Fragen sind dabei das zentrale Werkzeug.
Die Wunderfrage
Die bekannteste Technik: „Angenommen, über Nacht geschähe ein Wunder und das Problem wäre gelöst — woran würden Sie am Morgen als Erstes merken, dass es anders ist?" Die Wunderfrage hilft, ein konkretes, positiv formuliertes Zielbild zu entwickeln, ohne den Weg dorthin schon festzulegen. Wichtig ist das geduldige Nachfragen: Was genau wäre anders? Wer würde es zuerst bemerken? Aus den Antworten lassen sich kleine erste Schritte ableiten.
Skalen- und Ausnahmefragen
- Skalenfragen — „Auf einer Skala von 0 bis 10, wo stehen Sie heute?" Interessant ist selten die Zahl, sondern die Anschlussfrage: „Was macht, dass es eine 4 und keine 2 ist?" (Ressourcen) und „Was wäre ein Zeichen für eine 5?" (nächster kleiner Schritt).
- Ausnahmefragen — „Wann war das Problem zuletzt etwas kleiner, und was war da anders?" Ausnahmen zeigen, dass die Lösung im Ansatz oft schon existiert.
- Bewältigungsfragen — „Wie schaffen Sie es, trotz allem den Alltag weiterzuführen?" Sie machen vorhandene Kraftquellen sichtbar, gerade in schwierigen Phasen.
In kleinen Schritten denken
Lösungsorientiertes Arbeiten zerlegt Veränderung in machbare Etappen. Statt „das große Ziel" steht die Frage im Vordergrund: Was ist der nächste kleine, konkrete und überprüfbare Schritt? Kleine Erfolge erzeugen Zuversicht und Momentum — was gut passt zur ergo- und physiotherapeutischen Arbeit, in der Fortschritt über den Alltag sichtbar wird.
Haltung oder Methode? Und die Grenze
Lösungsorientiertes Arbeiten ist beides: als eigenständiger Ansatz (lösungsfokussierte Kurztherapie) psychotherapeutisch verankert, als Gesprächshaltung aber auch in die therapeutische Arbeit übertragbar, um Ziele und Ressourcen in den Vordergrund zu stellen. Eine Psychotherapie ersetzen einzelne Fragetechniken nicht — bei psychischer Belastung, die darüber hinausgeht, gehört die Behandlung in ärztliche bzw. psychotherapeutische Hand.
Häufig gestellte Fragen
Was ist lösungsorientiertes Arbeiten?
Lösungsorientiertes Arbeiten (auch lösungsfokussierte Kurztherapie, nach Steve de Shazer und Insoo Kim Berg) verlagert den Fokus vom Problem und seiner Entstehung hin zu erwünschten Zielen und vorhandenen Ressourcen. Die Grundannahme: Man muss ein Problem nicht vollständig verstehen, um eine Veränderung in Gang zu bringen — hilfreicher ist die Frage, woran die Person merken würde, dass es besser wird, und was davon schon ansatzweise gelingt.
Was ist die Wunderfrage?
Die Wunderfrage ist eine bekannte lösungsorientierte Technik: „Angenommen, über Nacht geschähe ein Wunder und das Problem wäre gelöst — woran würden Sie am Morgen als Erstes merken, dass es anders ist?" Sie hilft, ein konkretes, positiv formuliertes Zielbild zu entwickeln, ohne schon den Weg dorthin festzulegen. Aus den Antworten lassen sich kleine, überprüfbare erste Schritte ableiten.
Wofür sind Skalenfragen gut?
Skalenfragen („Auf einer Skala von 0 bis 10 — wo stehen Sie heute?") machen Fortschritt sicht- und besprechbar. Interessant ist selten die Zahl selbst, sondern die Anschlussfrage: „Was macht, dass es eine 4 und keine 2 ist?" (Ressourcen) und „Was wäre ein Zeichen für eine 5?" (nächster kleiner Schritt). So wird Veränderung in machbare Etappen zerlegt.
Ist lösungsorientiertes Arbeiten eine Therapieform oder eine Gesprächshaltung?
Beides ist möglich. Als eigenständiger Ansatz (lösungsfokussierte Kurztherapie) ist es psychotherapeutisch verankert; einzelne Fragetechniken lassen sich aber auch als Gesprächshaltung in die ergo- oder physiotherapeutische Arbeit übernehmen, um Ziele und Ressourcen der Klient:innen in den Vordergrund zu stellen. Eine Psychotherapie ersetzt das nicht.