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Das Kawa-River-Modell: Lebensgeschichten als Fluss

Veröffentlicht: 2026-02-08 · 6 Min. Lesezeit
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Kurz gefasst

Das Kawa-Modell („kawa" = japanisch für „Fluss") nutzt das Bild eines Flusses, um Lebensgeschichten und Hindernisse sichtbar zu machen. Es ist niedrigschwellig, kultursensibel und besonders nützlich, wenn andere Modelle zu abstrakt oder zu westlich wirken.

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Das Bild des Flusses

Das Leben ist ein Fluss, der von der Geburt zum Tod fließt. Das Wasser ist die Lebensenergie und der Lebensfluss selbst. Felsen sind Probleme oder Krankheiten, die den Fluss bremsen. Treibholz steht für persönliche Eigenschaften und Ressourcen — manchmal hilfreich, manchmal hinderlich. Ufer und Flussbett sind die soziale und physische Umwelt, die den Fluss formen. Das Modell wird vom Patienten gezeichnet, nicht von der Therapeut:in.

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Warum es funktioniert

Hinweis: Das Modell wurde Ende der 1990er Jahre von japanischen Ergotherapeut:innen entwickelt, weil westliche Modelle wie das MOHO im japanischen Kontext nicht passten. Inzwischen wird es international eingesetzt, vor allem in der Geriatrie und bei Menschen mit Migrationshintergrund.

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Anwendung Schritt für Schritt

Den Fluss zeichnen lassen

Großes Blatt, ein Stift. „Stell dir dein Leben als Fluss vor — wie sieht er aus?"

Steine benennen

„Was hindert den Fluss gerade am Fließen?" Größe und Position erzählen mehr als Worte.

Treibholz benennen

Persönliche Werte, Erfahrungen, Eigenschaften. Manche helfen, manche blockieren.

Gemeinsam interpretieren

Wo könnte der Fluss freier fließen? Welcher Stein ist verschiebbar? Welcher gehört dazu?

Manche Patient:innen erzählen einer Zeichnung, was sie keinem Anamnesebogen erzählen würden.

Häufiger Irrtum: Das Modell als kreatives Spielzeug nutzen ohne therapeutische Konsequenz. Die Zeichnung ist Befund — sie verlangt Folgehandeln. Sonst war es nur Beschäftigung.

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Häufig gestellte Fragen

Was ist das Kawa-River-Modell und woher kommt es?

Das Kawa-Modell („kawa" = japanisch für „Fluss") wurde Ende der 1990er Jahre von japanischen Ergotherapeut:innen entwickelt, weil westliche Modelle wie das MOHO im japanischen Kontext kulturell nicht passten. Es nutzt das Bild eines Flusses als Metapher für das Leben: Wasser steht für Lebensenergie, Steine für Hindernisse, Treibholz für persönliche Eigenschaften und Ressourcen, Ufer und Flussbett für die soziale und physische Umwelt. Inzwischen wird das Modell international eingesetzt — besonders in der Geriatrie und bei Menschen mit Migrationshintergrund.

Wann eignet sich das Kawa-River-Modell besonders gut?

Das Kawa-Modell eignet sich besonders gut, wenn sprachliche oder kulturelle Barrieren eine strukturierte Befunderhebung erschweren, wenn Klient:innen Schwierigkeiten haben, ihre Situation in Worte zu fassen, oder wenn andere Modelle zu abstrakt oder zu medizinisch-westlich wirken. Da das Modell bildbasiert und ohne Fachsprache auskommt, ist der Einstieg niedrigschwellig — auch für Menschen mit kognitiven Einschränkungen kann das Zeichnen eines Flusses zugänglicher sein als ein standardisiertes Interview.

Wie wird das Kawa-River-Modell in der Praxis angewendet?

Die Klient:in wird gebeten, auf einem großen Blatt Papier ihren Lebensfluss zu zeichnen: Wie breit ist er, wie schnell fließt er, wo liegen Steine (Probleme, Erkrankungen), was treibt als Holz mit (persönliche Eigenschaften, Ressourcen)? Die Therapeut:in zeichnet nicht vor, sondern begleitet und fragt nach. Die fertige Zeichnung bleibt als Gesprächsgrundlage und kann in späteren Sitzungen wieder aufgegriffen werden, um Veränderungen sichtbar zu machen.

Ist das Kawa-River-Modell ein ergotherapeutisches Assessmentinstrument?

Das Kawa-Modell ist kein standardisiertes Assessment mit Normdaten oder Punktwerten, sondern ein konzeptuelles Praxismodell und Befunderhebungswerkzeug. Es liefert keine messbaren Kennwerte, aber strukturiert das Gespräch über Lebensqualität, Ressourcen und Hindernisse auf eine Weise, die für die gemeinsame Zielentwicklung sehr nützlich sein kann. Es ergänzt standardisierte Instrumente wie das COPM, ersetzt sie aber nicht.