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Sturzprävention in der Ergotherapie: mehr als Schwellen entfernen

Veröffentlicht: 2026-06-15 · 7 Min. Lesezeit
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Kurz gefasst

Sturzprävention bei älteren Menschen ist weit mehr als Schwellenkanten entfernen. Ergotherapeutische Sturzprävention umfasst Risikobewertung, Wohnraumanpassung, Hilfsmittelversorgung und — entscheidend — die Begleitung von Sturzangst, die oft selbst zur größten Gefahr wird.

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Stürze bei älteren Menschen: das unterschätzte Risiko

Stürze sind eine der häufigsten Ursachen für Verletzungen und Krankenhausaufenthalte bei Menschen über 65 Jahren. Hüftfrakturen nach Stürzen sind mit erheblicher Morbidität und manchmal bleibenden Funktionseinschränkungen verbunden. Dabei sind Stürze in vielen Fällen keine unvermeidlichen Schicksalsschläge — sondern durch gezielte Maßnahmen teilweise zu verhindern.

Die ergotherapeutische Sturzprävention setzt an verschiedenen Punkten an: körperliche Faktoren, Umgebungsfaktoren und psychologische Faktoren. Wer nur auf einen dieser Bereiche schaut, verpasst die anderen — und damit oft den entscheidenden Hebel.

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Multifaktorielle Sturzrisikobewertung

Eine effektive Sturzprävention beginnt mit einer systematischen Risikobewertung. Relevante Faktoren:

Standardisierte Assessments wie der Timed Up and Go (TUG), der Berg Balance Scale oder der Falls Efficacy Scale International (FES-I) können die Befunderhebung strukturieren und Ausgangswerte für Verlaufsmessungen liefern.

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Wohnraumanpassung: was wirklich hilft

Wohnraumanpassungen sind ein klassisches ergotherapeutisches Arbeitsfeld. Häufige Maßnahmen:

Wohnraumanpassungen sind wirksamer, wenn sie im Heimbesuch erarbeitet werden — nicht allein auf Basis von Berichten. Was im Gespräch harmlos klingt, kann vor Ort ein erhebliches Risiko darstellen.

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Sturzangst: oft übersehen, immer relevant

Sturzangst ist nach einem Sturz häufig, aber auch ohne vorherigen Sturz weit verbreitet. Der Teufelskreis: Wer aus Angst weniger geht, baut Muskelkraft und Gleichgewicht ab und wird dadurch tatsächlich sturzsturzgefährdeter. Ergotherapeut:innen können hier wichtige Arbeit leisten, indem sie Sturzangst aktiv ansprechen, den Vermeidungskreislauf erklären und schrittweise Exposition in alltäglichen Situationen begleiten.

Angehörige spielen dabei eine entscheidende Rolle: Gut gemeinte Übernahmen — „Ich mach das lieber selbst" — können die Angst verstärken. Angehörigenarbeit ist daher fester Bestandteil einer guten Sturzpräventionsstrategie.

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Sturzprävention im Team

Wirksame Sturzprävention ist selten eine Einzelleistung. Die Ergotherapie arbeitet idealerweise im Team: mit Physiotherapeut:innen für Kraft- und Balancetraining, mit dem Hausarzt für Medikamentenreview (insbesondere sturzrisikobehaftete Medikamente), mit der Pflege für alltägliche Unterstützung und mit Angehörigen für das häusliche Umfeld.

Ergotherapeut:innen übernehmen dabei die koordinierende Alltagsperspektive: Was davon wirkt sich konkret auf die bedeutsamen Tätigkeiten des Menschen aus? Welche Maßnahmen werden tatsächlich umgesetzt und welche nicht — und warum?

Sturzprävention ist dann erfolgreich, wenn der Mensch nicht weniger tut, sondern sicherer das tut, was ihm wichtig ist.